Tales of Traces, Stones and Moonlight.

Die Preisträgerinnen des Kunstpreises „junger westen“ Jeewi Lee, Mona Schulzek und Jeehye Song aus der Sammlung der Kunsthalle Recklinghausen in der Villa Romana in Florenz. Kuratiert von Nico Anklam.

Die Ausstellung ist Teil von Mutual Presence, einem Austausch- und Kooperationsprojekt zwischen der florentinischen Villa Romana in Italien und der Kunsthalle Recklinghausen in Deutschland – den beiden ältesten deutschen Kunstpreisen.

5. Juni – 31. Juli 2026

Es war ein leuchtend blaues Funkeln, wie ein kaltes Feuer, das sich im Halbdunkeln auf den jahrhundertealten, vom Meer nass schimmernden Steinen widerspiegelte. Seit der Antike weitestgehend im Verborgenen geblieben, wurde die Blaue Grotte 1826 wiederentdeckt und daraufhin eine der romantischen Obsessionen deutscher Künstler*innen des 19. Jahrhundert. Die vom Meerwasser geflutete Höhle auf Capri, die durch unter Wasser kommendes Sonnenlicht zum Leuchten gebracht wird, avancierte zu einem zentralen Thema zahlreicher Kunstwerke. Besonders frühe Werke wie jene von Heinrich Jakob Fried (1835) erzählen von der Faszination für die physische Welt und ihre visuellen Phänomene. Sie zeugen aber auch von der Poetik des Wassers, der Steine und des Lichtes wie nur Kunst es vermag. Mitunter vermögen Kunstwerke uns an jeden denkbaren Ort reisen zu lassen – sei es zum Mittelpunkt der Erde oder hinaus in den unendlichen Kosmos oder sie verdichtet all dies beizeiten in einem einzigen Werk. Oder anders gesagt, war dies auch beispielhaft für die Zeit der in Fahrt kommenden Moderne: Auf die Entmystifizierung unberührter Natur folgte ihre Ästhetisierung (vgl. Richter, Dieter. August Kopisch. Entdeckung der Blauen Grotte auf der Insel Capri. Wagenbach, Berlin, 2009, S. 75).

Keine der drei rezenten Preisträgerinnen des Kunstpreises junger westen der Kunsthalle Recklinghausen steht auf den ersten Blick in direkter Verbindung zur deutschen Romantik oder der sogenannten Italiensehnsucht, die Nordeuropa seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert so stark prägte. So scheint es zumindest. Doch in ihrer Faszination für die poetische Schönheit vulkanischer Steine und Meteoriten aus dem Weltall, der Neugier auf Luftblasen, Sand und Wellen, oder dem Vermögen, den malerischen Schimmer des Mondes, der ebenso gut das Licht eines Handybildschirms sein könnte, der nachts ein Gesicht anstrahlt, auf die Leinwand zu bringen, wird deutlich, dass Lee, Schulzek und Song den reisenden Künstler*innen von vor zweihundert Jahren auf überraschende Weise verwandt sind.

Die Zusammenarbeit unserer beiden Institutionen, der Kunsthalle Recklinghausen und der Villa Romana in Florenz trägt den Titel Mutual Presence. Es kooperieren damit der älteste deutsche Kunstpreis überhaupt, vergeben von der Villa Romana in Florenz, und der älteste Kunstpreis der Nachkriegszeit, beheimatet in einem ehemaligen Bunker einer westdeutschen Kohleregion in der Kunsthalle Recklinghausen. Die Werke von Jeewi Lee, Mona Schulzek und Jeehye Song zeigen nicht zuletzt auch, wozu Kunst fähig ist und was wir als Gesellschaft den Künstler*innen verdanken: sie macht die Welt so erfahrbar, dass sie selbst in schwierigen Zeiten seit jeher in der Kunst zu einem Ort des Staunens wird.

Mutual Presence ist ein Austausch- und Kooperationsprojekt zwischen der florentinischen Villa Romana in Italien und der Kunsthalle Recklinghausen in Deutschland – den beiden ältesten deutschen Kunstpreisen.

Tales of Traces, Stones and Moonlight. ist der erste Teil dieser Zusammenarbeit und zeigt die drei letzten Preisträgerinnen des Kunstpreises „junger westen“ in Florenz, kuratiert von Dr. Nico Anklam, mit der wissenschaftlichen Mitarbeit von Kerstin Weber-Baumann und der kuratorischen Assistenz von Theresa Widua aus Recklinghausen. Sie eröffnet am 5. Juni 2026 um 17 Uhr.

Ab dem 12. September 2026 werden die Villa-Romana-Stipendiat*innen der Jahre 2023, 2024 und 2025 in einer Gruppenausstellung in der Kunsthalle Recklinghausen zu sehen sein, kuratiert von Dr. Elena Augido und Mistura Allison aus Florenz.

 

Öffnungszeiten
Preise
* Schüler*innen, Auszubildende, Studierende, Gruppen ab 10 Personen, Inhaber*innen des Recklinghausen Passes bzw. ein entsprechender Ausweis anderer Gemeinden, Inhaber*innen der Ehrenamtskarte NRW bzw. der Jubiläums-Ehrenamtskarte NRW
Die Kunsthalle ist barrierefrei zugänglich.
Führungen
Die öffentlichen Führungen sind kostenfrei, es muss lediglich das Eintrittsgeld entrichtet werden.

Die Kosten für eine gebuchte Führung betragen 55,- Euro pro Gruppe (max. 20 Personen). Anmeldung unter Telefon (02361) 50 19 35.
Anschrift
Anfahrt
Die Kunsthalle liegt direkt gegenüber dem Hauptbahnhof, nahe des Busbahnhofs und ist mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Unter dem Busbahnhof befindet sich eine Tiefgarage.