Über Dich freuet sich die ganze Schöpfung

Ein Geschenk für Recklinghausen
Die Ikonen-Sammlung Dr. Reiner Zerlin

Kunsthalle Recklinghausen
6. Juni bis 30. August 2020

Ohne die Leidenschaft privater Sammler würde das Ikonen- Museum Recklinghausen nicht existieren: Es verdankt seine Existenz dem Ankauf der Ikonensammlungen von Prof. Dr. Martin Winkler und Dr. Heinrich Wendt durch die Stadt Reckling- hausen. Bis heute wurde der Bestand immer wieder durch bedeutende Ikonen oder ganze Kollektionen aus Privatbesitz erweitert.

Im Jahr 2019 hat der passionierte Kunstsammler Dr. Reiner Zerlin seine hochwertige Sammlung ostkirchlicher Kunst der Stadt Recklinghausen geschenkt. Diese spektakuläre Schenkung ist für das Ikonen-Museum ein wahrer Schatz, der die Qualität der Sammlung nochmals deutlich steigert und den hervorragenden Ruf des Museums weiter stärkt.

Die Sammlung Reiner Zerlin umfasst fast 250 Objekte aus dem Bereich der ostkirchlichen Kunst. Es handelt sich zu einem großen Teil um frühe Ikonen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, die überwiegend aus den beiden Kernländern der Orthodoxie, Russland und Griechenland stammen. Ein seltenes Highlight ist das Fragment einer Christus-Ikone, das noch aus byzantinischer Zeit stammt. Dargestellt sind alle wichtigen und teilweise auch seltene Themen der Ikonenmalerei. Besonders interessant sind auch eine Reihe liturgischer Gegenstände und Objekte aus dem Bereich der Alltagsfrömmigkeit.

Aus Anlass dieser Schenkung präsentieren die Kunsthalle und das Ikonen-Museum eine Ausstellung, in der die großzügige Schenkung gewürdigt und die Sammlung in ihrer Gesamtheit präsentiert wird. Auf drei Etagen werden sowohl Aspekte der Geschichte der Ikonenmalerei, regionale Besonderheiten als auch ihre vielfältigen Themen sowie unterschiedliche Funktionsräume vorgestellt. Die Ausstellung wendet sich ausdrücklich nicht nur an Fachleute, sondern möchte die faszinierende Welt der Ikonen einem breiten Publikum vermitteln und insbesondere den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt dieses Geschenk für Recklinghausen zugänglich machen.


Weitere Informationen zu Führungen und Vermittlungsangeboten

 

Bürgermeister Christoph Tesche, Museumsdirektor Dr. Hans-Jürgen Schwalm und der Kustos des Ikonen-Museum Recklinghausen, Lutz Rickelt, geben Ihnen im Video einen Einblick in die Ausstellung. 

Sammler aus Leidenschaft
Ein Gespräch mit Jochen Zerlin

Der ehemalige Jugendrichter am Amtsgericht Düsseldorf, Dr. Reiner Zerlin, begann bereits mit 18 Jahren Ikonen zu sammeln. Wie kam es zu dieser Leidenschaft in jungen Jahren, die er mit seinem Bruder Jochen teilt, und was verbindet die beiden Sammler mit der Stadt Recklinghausen, die sich über die spektakuläre Schenkung von Dr. Reiner Zerlin freuen darf? Jochen Zerlin gab Celia Solf M.A. dazu einige Antworten.

Celia Solf (C.S.): Herr Zerlin, vielen Dank für Ihre Bereitschaft, in Vertretung Ihres Bruders Reiner einige Fragen zu den Hintergründen der Sonderausstellung zu beantworten. Gleich zu Beginn würde ich gerne wissen: Wie kamen Sie beide in so jungen Jahren zu diesem außergewöhnlichen Interesse?

Jochen Zerlin (J.S.): Mein Bruder wurde 1939 geboren, ich bin Jahrgang 1936, also dreieinhalb Jahre älter. Als ich 15 Jahre alt war, begann ich mich für Antiquitäten und Ikonen zu interessieren. Das kam so: Ein Kollege unseres Vaters war Abonnent des Magazins „Das Kunstwerk“ und lieh mir die Ausgaben, damit ich sie in Ruhe studieren konnte. 1951 erschien ein Sonderheft „Ikonen“ von Dr. Heinrich Wendt, dessen Sammlung einen der Grundstöcke des 1956 eröffneten Ikonen-Museums Recklinghausen bildet. Ich war sofort fasziniert von der Welt der Ikonen und so begeistert, dass ich das gesamte Heft abschrieb. Später bekam ich es sogar geschenkt und konnte auch einige Exemplare antiquarisch erwerben. Kurz und gut: Meine Leidenschaft war geweckt und mit 16 Jahren begann ich, selbst Ikonen zu malen.

C.S.: Wann begegneten Sie dann zum ersten Mal „realen“ Ikonen?

J.Z.: Das war im Frühjahr 1955 bei einer Ikonen-Ausstellung des Kölner Wallraff-Richartz-Museums mit Leihgaben mehrerer Sammlungen, darunter die von Prof. Dr. Martin Winkler. Darüber hinaus hatten mein Bruder und ich das große Glück, als Gymnasiasten eine Studienfahrt nach Griechenland zu machen, ich 1954, mein Bruder drei Jahre später 1957. Dort besichtigten wir unter anderem griechisch-orthodoxe Kirchen und kamen zum ersten Mal mit Ikonen in ihrem originalen liturgischen Umfeld in Berührung. Das gab unseren Interessen neuen Auftrieb. Als 1956 das Ikonen-Museum Recklinghausen eröffnete, verfolgten wir das mit großer Begeisterung und waren dort häufig zu Gast. Seitdem begannen wir auch, uns die entsprechende Fachliteratur zuzulegen und alle neuen Publikationen zum Thema Ikonen zu sammeln.

C.S.: Und wie wurden Sie zu Ikonen-Sammlern?

J.Z.: Nach ersten, noch recht bescheidenen griechischen Ikonen konnte ich im Frühjahr 1959 mit finanzieller Hilfe meines Bruders eine erste bedeutendere russische Ikone, eine „Gottesmutter von Vladimir“, bei einem Händler in Düsseldorf erwerben. Ich habe sie dem damaligen Leiter des Ikonen-Museums, Heinz Skrobucha, vorgelegt, der diesen Kauf sehr begrüßte. Man kann sagen, dass ich als der ältere von uns beiden, die ersten Schritte zu einer Sammlung machte. Mein Bruder Reiner hat mich dann aber sehr schnell überholt, er war der aktivere von uns beiden und hat viele intensive Kontakte zu Händlern gepflegt. Er hatte eindeutig den besseren Überblick und hat wesentlich engagierter und schneller Ikonen erworben. Es entwickelte sich schließlich so, dass er mir Käufe vermittelt oder Stücke aus seiner Sammlung überlassen hat, wenn er neue Erwerbungen plante.

C.S.: War ihre Sammelleidenschaft auch religiös begründet?

J.Z.: Auf jeden Fall! Für uns beide sind Ikonen nicht nur Kunstwerke oder Zeugnisse religiöser Kultur, sondern auch vor allem Gegenstände gläubiger Verehrung im Geiste des Johannes von Damaskus, des letzten großen Kirchenvaters. Dieser geht in seinem Werk „Über den rechten Glauben“ vor allem im 16. Kapitel „Von den Bildern“ darauf ein. Als Theologe, ich bin katholischer Priester im Ruhestand, haben mich die orientalische Kirche und Byzanz schon immer fasziniert, meinem Bruder geht es genauso.

C.S.: Was zeichnet die Sammlung Ihres Bruders, die wir nun in der Kunsthalle Recklinghausen besichtigen können, aus?

J.Z.: Die Sammlung umfasst rund 250 Exponate, überwiegend Holzikonen, darunter kretische, zentralgriechische und russische Ikonen. Ein besonderes Stück ist zum Beispiel die wunderbare Darstellung des Erzengels Michael, eine russische Ikone aus dem 16. Jahrhundert mit einem farbig emaillierten Silberbasma. Sie erinnert mich immer an den Schutzengel, den Nikolaj Leskow in seiner berühmten Erzählung „Der versiegelte Engel“ beschreibt. Daneben gibt es zahlreiche Metallikonen und liturgische Geräte aus Silber wie Ikonenlampen und Weihrauchfässer bis hin zu mehreren Brustkreuzen der russischen Altgläubigen.

C.S.: Gibt es eine Ikone, die Ihrem Bruder besonders am Herzen liegt?

J.Z.: Neben vielen anderen eben die des Erzengels Michael.

C.S.: Wie kam es, dass die Sammlung Ihres Bruders nach Recklinghausen gelangte?

J.Z.: Das ist eine sehr lange Geschichte, auf die ich hier gar nicht im Einzelnen eingehen möchte. Entscheidend ist, dass wir bereits seit der Gründung des Ikonen-Museums 1956 eine enge Bindung zu Recklinghausen haben und mit dem verdienstvollen früheren Leiter, Heinz Skrobucha, einen sehr persönlichen fachlichen Austausch pflegten und ihm viele Stücke vorlegten und auch für Ausstellungen zur Verfügung stellten. Apropos Ausstellungen: Wir haben auch selbst welche ausgerichtet, wenn auch nicht in Recklinghausen, sondern in Köln. Im Schnütgen-Museum St. Cäcilien waren 1990 unsere beiden Sammlungen zu sehen, und mit befreundeten Sammlern haben wir Jahr für Jahr in der Kölner Basilika St. Pantaleon insgesamt zehn kleine thematische Ausstellungen gezeigt. Was Recklinghausen betrifft: Als langjährige, wenn auch höchst passive Mitglieder des Fördervereins EIKON haben wir beide als Brüder Reiner und Jochen Zerlin schon vor einigen Jahren beschlossen, das einzigartige Ikonen-Museum der Stadt Recklinghausen tatkräftig zu fördern. So hat zunächst mein Bruder seine Sammlung der Stadt überlassen. Auch ich habe signalisiert, dass meine Sammlung zu einem späteren Zeitpunkt nach Recklinghausen gehen soll.

C.S.: Ich möchte Ihnen auch im Namen der interessierten Besucherinnen und Besucher herzlich danken!

Privatsammlungen als Grundstock des Ikonen-Museums Recklinghausen

Ein Gespräch mit Dr. Eva Haustein-Bartsch, die 1983 bis 2018 das Ikonen-Museum Recklinghausen leitete. Seit 2018 ist sie Vorsitzende des 1958 gegründeten Fördervereins EIKON. Gesellschaft der Freunde der Ikonenkunst e.V. Das Gespräch führte Celia Solf M.A.

Celia Solf: Welche Bedeutung haben Privatsammler für das Ikonen-Museum Recklinghausen?

Eva Haustein-Bartsch: Privatsammler spielen eine überaus große Rolle – ohne sie wäre es überhaupt nicht zur Gründung des Ikonen-Museums in Recklinghausen gekommen! Die Idee entstand nämlich bei einer Ausstellung, die 1955 in der Kunsthalle Recklinghausen stattfand und „100 Ikonen aus westdeutschem Privatbesitz“ zeigte – zu einer Zeit, als Ikonen noch recht unbekannt waren. Damals erfuhr der damalige Direktor der Kunsthalle, Prof. Thomas Grochowiak, dass die zwei bedeutendsten deutschen Ikonensammler, Prof. Dr. Martin Winkler und Dr. Heinrich Wendt, ihre Sammlungen verkaufen wollten. Er schaffte es, die Stadt Recklinghausen dazu
zu bewegen, diese insgesamt 74 Ikonen höchster Qualität anzukaufen. Anderthalb Jahre später wurde mit diesem Grundstock und weiteren 150 Ikonen, die teilweise ebenfalls aus Privatbesitz kamen, das Ikonen-Museum eröffnet. Zwei weitere, sehr bedeutende Ikonensammlungen, nämlich die von Fannina Halle und Alexandre Popoff, folgten 1958 und 1966. Auch sie wurden angekauft.

C.S.: Das Museum erhielt die Sammlungen also nicht als Schenkungen?

E. H.-B.: Das ist das Interessante: Während diese vier Privatsammlungen jeweils angekauft wurden, änderte sich die Situation vor allem seit den 1990er Jahren. Dem Museum standen weit weniger Mittel zum Erwerb von Werken der ostkirchlichen Kunst zur Verfügung, im Gegenzug erhielten wir immer mehr Schenkungen und Nachlässe, häufig von Mitgliedern des Fördervereins des Ikonen-Museums EIKON. Gesellschaft der Freunde der Ikonenkunst e.V., der bereits zwei Jahre nach dem Ikonen-Museum ins Leben gerufen wurde. Unter den Mitgliedern dieser Gesellschaft sind etliche Sammler, die dem Museum eng verbunden sind und es daher auch mit Schenkungen und Nachlässen bedenken.

C.S.: Können Sie einige Namen nennen?

E. H.-B.: Neben vielen einzelnen Ikonen oder kleineren Kollektionen wurde unsere sehr bescheidene Anzahl von Metallikonen zum Beispiel 1997 durch die Schenkung von Dr. Manfred Schnell und 1999 durch den Nachlass von Theresa Kaiser um immerhin 93 sehr schöne Stücke erweitert. 2002 erhielten wir den Nachlass des EIKON-Mitglieds Rolf Joachim Wiswe, der aus 30 Nikolausikonen bestand, 2004 kamen 24 sehr hochwertige Ikonen durch die Ikonen-Stiftung Professor Dr. Idelberger und Frau in die Sammlung, und den zahlenmäßig größten Zuwachs überhaupt erlangten wir 2010, als das Museum über 2.000 Metallikonen von einem EIKON-Mitglied erbte, das anonym bleiben wollte. Weitere Schenkungen und Nachlässe von Metallikonen, Holzikonen und Kirchenkunst folgten vor allem in den letzten zehn Jahren. Seit dem vergangenen Jahr bereichert schließlich die äußerst großzügige Schenkung des langjährigen EIKON-Mitglieds Dr. Reiner Zerlin mit dem jetzt in der Kunsthalle Recklinghausen ausgestellten Konvolut von nahezu 250 griechischen und russischen Ikonen die Museumskollektion.

C.S.: Sehen Sie einen Grund dafür, dass die Zahl der Schenkungen und Nachlässe in den letzten Jahrzehnten so stark zugenommen hat?

E. H.-B.: Ja. In den siebziger und achtziger Jahren war das Sammeln von Ikonen richtig „in“, und es entstanden vor allem in Deutschland zahlreiche mehr oder wenige große und bedeutende Ikonensammlungen. Inzwischen sind jedoch viele dieser Sammler sehr betagt und ihre Nachkommen sind selten an der Fortführung der Sammlungen interessiert. Oft befürchten die Sammler, dass ihre mit so viel Liebe, mit im Laufe der Zeit angeeigneten Kenntnissen über die Ikonenmalerei und teilweise großem finanziellem Einsatz zusammengetragenen Kollektionen auseinandergerissen werden und auf Auktionen oder bei eBay landen. Da ist es doch ein weit schöneres Gefühl, wenn ihre Schätze an ein spezialisiertes Museum gehen, dort wissenschaftlich bearbeitet, publiziert und ausgestellt werden und – auf Wunsch – auch mit dem Namen des Stifters bezeichnet werden. Auf jeden Fall finden sie dort eine neue Heimat und Wertschätzung.

Eine einzigartige Schenkung

Ein Gespräch mit Dr. Lutz Rickelt, Dezember 2018 Leiter des Ikonen-Museums Recklinghausen. Die Fragen stellte Celia Solf, M.A.

Celia Solf: Im Sommer vergangenen Jahres wurde die Schenkung der Sammlung Dr. Reiner Zerlin an die Stadt Recklinghausen bekannt gegeben. Nach einer Inventarisierung und teilweisen Restaurierung der Exponate wird sie nun der Öffentlichkeit gezeigt. Welche Bedeutung hat diese Sammlung für das Ikonen-Museum Recklinghausen?

Lutz Rickelt: Eine sehr große! Da ist erst mal die schiere Zahl der Objekte: Fast 250, von denen knapp 170 auf Holztafeln gemalte Ikonen sind. Es gibt im Ikonen-Museum keine vergleichbare zusammengehörige Sammlung, schon aus diesem Grund ist die Schenkung einzigartig. Dazu kommt die Qualität der Werke: Es handelt sich ja zu einem großen Teil um ziemlich frühe Ikonen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, die auf dem Markt, wenn überhaupt, nur sehr schwer und vereinzelt zu bekommen sind – und dann in der Summe natürlich gar nicht erschwinglich wären. Wir reden hier von einem Gesamtwert von über 2 Millionen Euro. Das ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich.

C. S.: Können Sie ein paar Highlights aus der Sammlung nennen?

L. R.: Ein besonderes Highlight ist sicherlich das Fragment einer Christus-Ikone, das noch aus byzantinischer Zeit stammt, also aus dem 15. Jahrhundert. Solche Ikonen tauchen nur noch sehr selten auf und sind kaum bezahlbar. Dann gibt es einige tolle Ikonen aus Kreta, einem der Hauptzentren der Ikonenmalerei. Erst mal wirken sie sehr spektakulär, weil sie noch einen Goldgrund besitzen, dann gibt es aber auch ikonographische Motive, die wir im Museum noch gar nicht haben und die auch sonst sehr selten sind: Dazu gehört etwa eine Ikone mit dem Heiligen Eustathios – wir kennen ihn als Eustachius, den Patron der Jäger. Ihm erschien in einer Vision ein Hirsch mit einem leuchtenden Kreuz zwischen dem Geweih – das Logo eines bekannten Schnapsherstellers findet man hier auf einer kostbaren Ikone, wobei das natürlich nur eine Randnotiz ist und hier vom Heiligen Hubertus hergeleitet wird. Aber man sieht daran, wie viele interessante Geschichten hinter Ikonen stecken können, die bis heute in irgendeiner Form nachwirken. Dann gibt es natürlich wunderbare Ikonen aus Russland, wobei ich besonders einen Nikolaus aus dem 15. Jahrhundert ins Herz geschlossen habe. Toll ist auch eine sehr fein gemalte Ikone des als heilig verehrten Sohns Ivans des Schrecklichen Dmitirj, die auch farblich und stilistisch unheimlich reizvoll ist. Ach ja: Nicht zu vergessen eine Ikone des Erzengels Michael aus dem 16. Jahrhundert – soll ich weitermachen? Ich glaube, hier wird jeder etwas finden, das sie oder ihn persönlich anspricht.

C. S.: Das macht auf jeden Fall neugierig! Wie ist die Sammlung denn insgesamt aufgebaut und was davon wird in der Kunsthalle zu sehen sein?

L. R. Ich sagte ja schon, dass die Sammlung Ikonen auf Holztafeln überwiegend aus dem 15. bis 17. Jahrhundert umfasst, hauptsächlich aus Griechenland und Russland. Darauf sind alle wichtigen und teilweise auch seltene Themen der Ikonenkunst zu sehen. Dazu kommen Ikonen aus Metall und eine Reihe liturgischer Gegenstände und Objekte aus dem Bereich der Alltagsfrömmigkeit. Natürlich deckt auch so eine umfassende Sammlung nicht alles ab, aber sie eignet sich sehr gut, die Vielfalt dieser Kunst zu zeigen – regional, thematisch, zeitlich und funktional. Wir zeigen von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen die gesamte Sammlung. Eine Ikone ist schlicht in zu schlechtem Zustand, bei den Metallikonen haben wir eine Auswahl getroffen – aber man wird nichts Wesentliches verpassen.

C. S.: Was gibt es denn für Schwerpunkte in regionaler, zeitlicher oder thematischer Hinsicht?

L. R.: Drei Viertel der Sammlung kommt aus Russland, der Rest aus Griechenland oder vom Balkan – das ist in etwa die zu erwartende Verteilung, die dem sonst anzutreffenden Verhältnis entspricht. Auch thematisch ist wie erwähnt eine große Bandbreite vertreten. Die entscheidenden Auswahlkriterien waren die Qualität der Werke und ein gewisses Alter. Abgesehen von den Metallikonen findet man in der Sammlung zum Beispiel nur sehr wenige Ikonen des 19. Jahrhunderts, die man natürlich am häufigsten bekommt, und die auch eine gute Qualität mitbringen können.

C. S.: Die Ausstellung soll nicht nur für ein Fachpublikum spannend sein, sondern auch allgemein interessierten Besucherinnen und Besuchern grundlegende Einblicke in die ostkirchliche Kirchenkunst liefern. Können Sie ein paar Beispiele geben?

L. R.: Wir möchten auch die Bürgerinnen und Bürger Recklinghausens mit der Schenkung bekannt machen, die vielleicht das Ikonen-Museum noch nicht so gut oder gar nicht kennen. Das bedingt natürlich, dass die Ausstellung einige Grundlageninformationen vermitteln muss, eine Orientierung, um was es eigentlich geht. Das kann man mit dieser Sammlung gut machen, weil aus so vielen Bereichen etwas vorhanden ist. Man erfährt etwas über die Geschichte der Ikonenmalerei, über regionale Besonderheiten, wichtige Themen werden erläutert und auch die Funktionsräume der Ikone in der Kirche und im privaten Raum vorgestellt. Mir ist es wichtig, dass die Besucherinnen und Besucher die Ikonen nicht isoliert betrachten, sondern auch – zumindest in Ansätzen – die Kontexte mitbekommen, in denen sie geschaffen und genutzt wurden.

C. S.: Wie fügt sich Ihr Ausstellungskonzept in die räumlichen Gegebenheiten ein?

L. R.: Wir bewegen uns in der Kunsthalle auf drei Etagen. Im Erdgeschoss thematisieren wir zunächst noch einmal die Bedeutung, die private Sammler für uns hatten und weiterhin haben. Denn ohne die Leidenschaft privater Sammler würde das Ikonen-Museum ja gar nicht existieren: Es verdankt seine Existenz dem Ankauf der Ikonensammlungen von Prof. Dr. Martin Winkler und Dr. Heinrich Wendt durch die Stadt Recklinghausen, und bis heute wurde der Bestand immer wieder durch bedeutende Ikonen oder ganze Kollektionen aus Privatbesitz erweitert. Die Zerlin-Schenkung ist die Krönung dieser Aktivitäten, deswegen starten wir hier mit einigen Highlights der Sammlung und wichtigen Motiven. Im ersten Stock geht es um die Geschichte der Ikonenmalerei, um regionale Besonderheiten, um ihre vielfältigen Themen. Und im Obergeschoss konzentrieren wir uns auf die Funktionsorte, zuallererst die Ikonostase oder Bilderwand. Außerdem gibt es hier einen kleinen Bereich, der auch den Einsatz von Ikonen in den eigenen vier Wänden anspricht.

C. S.: Was passiert mit der Sammlung, wenn die Ausstellung vorbei ist?

L. R.: Einige Werke werden wir sicher in die Dauerausstellung im Ikonen-Museum aufnehmen. Die anderen Ikonen wandern erstmal ins Depot – aber natürlich geht es dann erst richtig los, denn wir wollen ja noch den Sammlungskatalog publizieren. Ich bin mir auch sicher, dass viele Ikonen in zukünftigen Wechselausstellungen eine wichtige Rolle spielen werden.

Trickfilm zur Ikonen-Ausstellung

In den Sommerferien haben sechs Kinder an einem Trickfilm-Workshop von Kunsthalle und Institut für Kulturarbeit Recklinghausen im Rahmen des Projekts Kultur-Rucksack NRW teilgenommen. Entstanden ist dieser tolle Film über einen Raub im Ikonen-Museum Recklinghausen. Die Kinder haben gemeinsam mit SARIDI. und Dr. Johanna Lohff die Ikonen-Ausstellung angeschaut, jede Menge über Ikonen gelernt und über die Möglichkeiten mit Trickbox und Co. eine Geschichte zu erzählen. Anschließend haben sie ihre eigene Geschichte rund um die Ikonen erfunden. Es geht um Raub, einen cleveren Detektiv und eine Diebin in Not. Natürlich gibt es ein Happy End, aber seht selbst:

Gefördert im Rahmen des Projektes Kultur-Rucksack NRW des NRW Kultursekretariat. 

 

 

Bastelt einen Heiligen Michael

In der Ikonen-Ausstellung erscheinen auf mehreren Ikonen geflügelte Figuren, die verschiedene himmlische Wesen – Cherubim, Seraphim, Engel und Erzengel – darstellen. Anna Altmann, Kunsthistorikerin aus der Hermitage Sankt Petersburg, baut für euch eine Spielfigur des Erzengels Michael. Hier geht es weiter zur Anleitung

Öffnungszeiten
Preise
* Schüler*innen, Auszubildende, Studierende, Gruppen ab 10 Personen, Inhaber*innen des Recklinghausen Passes bzw. ein entsprechender Ausweis anderer Gemeinden, Inhaber*innen der Ehrenamtskarte NRW.
Die Kunsthalle ist barrierefrei zugänglich.
Führungen
Die öffentlichen Führungen sind kostenfrei, es muss lediglich das Eintrittsgeld entrichtet werden.

Die Kosten für eine gebuchte Führung betragen 55,- Euro pro Gruppe (max. 20 Personen). Anmeldung unter Telefon (02361) 50 19 35.
Anschrift
Anfahrt
Die Kunsthalle liegt direkt gegenüber dem Hauptbahnhof am Zentralen Busbahnhof. Die Kunsthalle ist mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Unter dem Busbahnhof befindet sich eine Tiefgarage. Achten Sie auf die Öffnungszeiten!